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7. Oktober 2012

ICSC-WM in Almaty/Kasachstan – Abschlußbericht

Filed under: ICSC-WM Almaty/Kasachstan — hoyweb @ 20:56

06.10.2012

Abschlussbericht Gehörlosen- Weltmeisterschaft 2012 in Almaty

 

Am 01.10.2012 hatten wir einen spielfreien Tag. Der geplante Ausflug war jedoch mit viel Warterei verbunden. Da noch weitere Tage mit nur einer Runde folgten, konnte ich mir dennoch einen Eindruck von der Stadt Almaty (übersetzte „die Apfelstadt“) verschaffen. Besonders waren die Christi-Himmelfahrt-Kirche aus Holz, der Basar, Kok Tobe — eine Art Freizeitpark auf einem Berg mit Aussicht über die gesamte Stadt — und die atemberaubende Berglandschaft.

Die Delegierten der einzelnen Länder trafen sich am 01.10.12 zum Kongress. Wie beim FIDE-Kongress wird über Regeländerungen abgestimmt, die Austragungsorte der nächsten Veranstaltungen bekannt gegeben und diesmal wurde der ICSC in ICDC (International Committee of Deaf Chess) umbenannt.

 

Für die 5. Runde konnte ich mich wieder gut vorbereiten. Mein Plan ging auch auf und ich gelangte zu einem Endspiel mit Springer gegen den schlechteren Läufer. Es boten sich mir zwei Chancen, die leicht bessere Stellung zu größerem Vorteil auszubauen, doch ich übersah beide. Die Partie lief zu diesem Zeitpunkt bereits 5 bis 5.5 Stunden. Nach 6 Stunden einigte ich mich auf Remis, da wir uns auf dem Brett im Kreis drehten.

 

5. Runde:       1 Baklanova (3.5)       –   Gerasimova (3)                     1 : 0

2 Nazarova (2.5)         –   Myronenko (3)                      0 : 1

3 Botalova (2)            –   Mucha (2.5)                      0.5 : 0.5

4 Mikhalionak (2)       –   Ryvova (2)                            0 : 1

5 Gonchar (2)             –   Krzyszkowiak (2)                  1 : 0

6 Marcinkeviciene(1.5)- Afandiyeva (0)                      1 : 0

7 Juraeva (1)               –   Abdrammanova (1)               0 : 1

 

Die 6. Runde verlief sehr unspektakulär. Es wurde viel Material getauscht und nach 23 Zügen endete die Partie mit Remis – wir hatten beide noch etwa 10 Minuten bis zum 40. Zug.

Brett 1 (beide Ukraine) einigten sich sehr schnell auf Remis. Ab der nächsten Weltmeisterschaft ist dies so nicht mehr möglich. Wie bei der Schacholympiade darf in Zukunft kein Remis vor dem 30. Zug angeboten werden.

 

6. Runde:       1 Myronenko (4)        –   Baklanova (4.5)                 0.5 : 0.5

2 Gerasimova (3)        –   Ryvova (3)                            1 : 0

3 Gonchar (3)            –   Mucha (3)                         0.5 : 0.5

4 Abdrammanova (2) –   Botalova (2.5)                       0 : 1

5 Krzyszkowiak (2)    –   Marcinkeviciene (2.5)           0 : 1

6 Afandiyeva (0)        –   Nazarova (2.5)                      0 : 1

7 Mikhalionak (2)       –   Juraeva (1)                            1 : 0

 

Gerasimova war 2004 Weltmeisterin und 2008 Zweite. Bei der Schacholympiade spielte sie allerdings sehr schlecht. Um vor sie zu kommen, musste ich gewinnen. Ich hatte auch eine sehr aussichtsreiche Stellung auf dem Brett, einmal sogar die Möglichkeit, größeren Vorteil zu erlangen. Im 39. Zug unterlief mir ein Patzer und dann dachte ich, dass die Partie verloren ist. Zum Glück fand Gerasimova keinen Weg zum Sieg und die Partie endete Remis. Damit waren meine Chancen auf die Top 3 so gut wie zunichte gemacht. Es hing alles von der Auslosung für die letzten Runden ab.

 

 

7. Runde:       1 Baklanova (5)          –   Botalova (3.5)                       1 : 0

2 Marcinkeviciene(3.5)- Myronenko (4.5)                0.5 : 0.5

3 Mucha (3.5)            –   Gerasimova (4)                 0.5 : 0.5

4 Nazarova (3.5)         –   Gonchar (3.5)                     0.5 : 0.5

5 Abdrammanova (2) –   Mikhalionak (3)                    0 : 1

6 Ryvova (3)              –   Juraeva (1)                            1 : 0

7 Afandiyeva (0)        –   Krzyszkowiak (2)                  1 : 0

 

Runde 8 spielte ich gegen eine sehr leichte Gegnerin. Bereits nach der Eröffnung stand ich besser, gewann eine Figur und kurz darauf die Partie. Myronenko gewann gegen Gonchar. Ich glaubte, danach nicht mehr vor sie kommen zu können.

 

8. Runde:       1 Mikhalionak (4)       –   Baklanova (6)                       0 : 1

2 Gonchar (4)             –   Myronenko (5)                      0 : 1

3 Gerasimova (4.5)     –   Nazarova (4)                         1 : 0

4 Krzyszkowiak (2)    –   Ryvova (4)                         0.5 : 0.5

5 Marcinkeviciene(4) –   Abdrammanova (2)               0 : 1

6 Juraeva (1)             –   Mucha (4)                            0 : 1

7 Botalova (3.5)         –   Afandiyeva (1)                      1 : 0

 

Die neunte Runde trat ich gegen Myronenko an. Da die Weltmeisterschaft nach dem Schweizer System gespielt wird, dachte ich, dass die Zweitwertung Buchholz sein würde. Ich kam zu dem Ergebnis, dass es egal sein würde, ob ich Remis spiele oder gewinne – ich wäre in beiden Fällen auf dem vierten Platz.

Da ich mit Kopf- und Magenschmerzen zu kämpfen hatte, bot ich Remis an. Myronenko nahm an. Nach der Runde erfuhr ich, dass die Ausschreibung des Turniers aushängt, d.h. auch die Wertungskriterien nach den Punkten. Als erstes Kriterium sollte das Spiel gegeneinander zählen – hätte ich die letzte Runde gewonnen, wäre der dritte Platz sicher gewesen!

Es ist für mich sehr ärgerlich, dass während des Turniers die Kriterien geändert werden (der Schiedsrichter hatte mal gesagt, dass nach den Punkten die Buchholz zählt). Außerdem müssen solche Informationen vor dem Turnier zur Verfügung stehen. Des Weiteren informierte sich Holger Mende über die Kriterien und stellte fest, dass sie nicht mit den FIDE-Regeln übereinstimmen.

Ein zusätzliches Problem tauchte bei den Herren auf — bis jetzt weiß keiner, wie entschieden wurde, wer 2., 3. oder 4. ist (alle drei Spieler sind punktgleich). Für eine Weltmeisterschaft ist das meiner Meinung nach nicht akzeptabel und schädigt das Ansehen des Verbands insgesamt.

 

9. Runde:       1 Ryvova (4.5)           –   Baklanova (7)                    0.5 : 0.5

2 Myronenko (6)       –   Mucha (5)                          0.5 : 0.5

3 Abdrammanova (3) –   Gerasimova (5.5)                  0 : 1

4 Botalova (4.5)         –   Krzyszkowiak (2.5)               1 : 0

5 Mikhalionak (4)       –   Marcinkeviciene (4)           0.5 : 0.5

6 Nazarova (4)            –   Juraeva (1)                            1 : 0

7 Afandiyeva (1)        –   Gonchar (4)                           0 : 1


 

Abschlusstabelle nach Runde 9:

 

1.  Baklanova, Tatyana          7.5

2.  Gerasimova, Olga              6.5

3.  Myronenko, Natalya         6.5

4.  Mucha, Annegret            5.5

5.  Botalova, Yulia                 5.5

6.  Gonchar, Svitlana              5

7.  Ryvova, Anna                   5

8.  Nazarova, Olga                  5

9.  Mikhalionak, Alena           4.5

10. Marcinkeviciene, Egle     4.5

11. Abdrammanova, Aslima   3

12. Krzyszkowiak, Bozena     2.5

13. Juraeva, Azizakhon          1

14. Afandiyeva, Lana             1

 

Insgesamt bin ich trotzdem ganz zufrieden mit meiner Spielweise und dem Ergebnis. Ich habe wieder einiges dazugelernt. Durch den 4. Platz werde ich außerdem weiter die Möglichkeit haben, den ICSC bei der Schacholympiade der Normalhörenden vertreten zu dürfen!

 

Bei den Senioren gelang es Sergej Salov, den Titel mit 8 Punkten aus 9 Runden zu holen: Gold für Deutschland – herzlichen Glückwunsch!

Die nächste Einzelweltmeisterschaft findet erst wieder in 4 Jahren statt. Bereits in zwei Jahren ist die Mannschaftsweltmeisterschaft und ich hoffe sehr, dass ich für Deutschland antreten darf.

An dieser Stelle möchte ich mich beim Deutschen Gehörlosen-Sportverband, bei Sergej Salov und Holger Mende für ihre Unterstützung bedanken.

 

Liebe Grüße aus Kasachstan
Annegret Mucha

1 Kommentar »

  1. Ein sehr interessanter Bericht! Leider liest man auf den üblichen Newsseiten wie Chessbase nichts vom gehörlosen Schach. Schön, dass ihr einen Blog habt!

    Kommentar by Chesspoint — 4. Februar 2013 @ 00:37

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